Die Puppendoktorin

Auszüge aus einem Bericht der WDR Lokalzeit über die Puppenbörse in Stollberg – Auch wenn es noch so schlimm aussieht, dieser Puppe kann geholfen werden. Eine befreundete Sammlerin bringt den ersten Patienten des Tages zu Bärbel Hunsinger. Mit flüssigem Celluloid flickt sie den Bruch der Schildkröt-Puppe. Reine Routine für die Doktorin aus dem Hunsrück.

Bärbel Hunsinger: “Solche Reparaturen kommen mehrmals täglich vor. Zerdepperte Schildkröt-Köpfe gibt es genug, da wird man niemals arbeitslos.”


Mit 18 Jahren packte Bärbel Hunsinger das Puppenfieber, lange bevor sie sich als Puppendoktorin selbständig machte. Auf ihren Besuchen diverser Puppen- und Sammlerbörsen in Deutschland findet sie die für eine originalgetreue Restauration notwendigen Ersatzteile.


Zurück am Puppendoktorstand möchte eine Puppenmutter ihre erste große Liebe an ihr Enkelkind vererben. Bärbel Hunsinger soll den kleinen Mann ein wenig aufpeppen. Aber nicht immer ist eine Reparatur notwendig oder sinnvoll, davon ist Bärbel Hunsinger überzeugt. Nicht alles was machbar ist, macht auch Sinn.Bärbel Hunsinger: “Man kann als Puppendoktor immer viel machen, aber manchmal ist es einfach zu viel. Diese Puppe hat ein etwas abgespieltes Näschen und abgespielte Fingerchen, man sieht ihr an das sie sehr geliebt wurde. Ich möchte gerne erhalten, was diese Puppe für ihren Besitzer zu etwas ganz besonderem macht.”


Und dann muss Bärbel Hunsinger noch einmal tief in ihre Reparatur-Trickkiste greifen. Sie sucht ein braunes und vor allem passendes Auge für diesen Patienten. Es ist die Lieblingspuppe einer Puppenmama, deren Mann glücklich ist hier auf der Börse Hilfe gefunden zu haben. Heute wird viel zu viel weg geworfen, man trennt sich leichtfertig von greifbaren Erinnerungen aus der Kindheit. Mit viel Fingerspitzengefühl ersetzt Bärbel Hunsinger das fehlende Auge.


Viele Jahre arbeitete die Puppendoktorin in der Lederwarenindustrie, klebte Geldbörsen und
Ledertaschen zusammen. Heute weiß sie: jetzt hat sie den richtigen Beruf für sich gefunden. Bärbel Hunsinger: “Wer kann schon von sich behaupten, das Hobby zum Beruf zu machen? Ich freue mich immer, wenn ich wieder eine Puppe gerettet habe.”